KINDERZIMMER-SERIE - TEIL 2
Orndung Kindern leicht gemacht.
Wie Sie Ihrem Kind beibringen, selbst aufzuräumen und leichter auzusortieren. Fähigkeiten fürs Leben.
Lesezeit: 7 min.
Wenn ich bei Familien bin, bei denen sich viele Spielsachen angesammelt haben, stellen wir als erstes eine Grundordnung her. Das heißt, wir sammeln aus der gesamten Wohnung sämtliches Spielzeug der Kinder zusammen an einem Ort (oft der Fußboden im Kinderzimmer), sortieren dann nach Kategorien (Bücher, Kuscheltiere, Puzzle, Lego™ etc.) und sortieren dann eine Kategorie nach der anderen durch.
Dabei geht alles raus, was kaputt ist, für das die Kinder zu groß sind sind oder womit Sie nicht spielen. In Teil 1 meiner Blog-Serie rund um das Thema Kinderspielzeug finden Sie eine detaillierte Anleitung, wie Sie diese Grundordnung selber realisieren. Das ist für diesen zweiten Schritt eine günstige Ausgangslage.
Wenn Sie das schon getan haben, fühlte es sich für Sie wahrscheinlich an wie für mich: wie ein echter Befreiungsschlag! Schreiben Sie mir gerne Ihre Erfahrungen.
Jetzt geht es darum, das Kind mit an Board zu holen, es selbst entscheiden und aufräumen zu lassen. Dazu braucht es ein bisschen Übung.
Ich beobachte, dass Kinder gerne zu Hause involviert werden: Sie helfen (zumindest immer mal wieder) gerne beim Spülmaschine ausräumen, beim Tisch decken aber auch beim Aufräumen. Das sind überaus wichtige Erfahrungen, die sich positiv auf seine gesamte zukünftige Entwicklung auswirken können.
In Teil 3 meiner Blog-Serie stelle ich Ihnen Strategien vor, wie Sie die Flut der stetig hereinkommenden Dinge meistern – seien es Bilder, Gebasteltes oder Geschenke. Ich verrate Ihnen auch, was auf meiner Wunschliste an sinnvollen Spielsachen für meine Kinder steht.
Ihre Situation
Sie haben sich und Ihrem Kind eine neue Grundordnung für Spielsachen erarbeitet. Wenn wir ehrlich sind, ist das aber nur eine Momentaufnahme, wenn auch eine sehr schöne – wie so oft beim Thema Ordnung. Sie muss regelmäßig wiederherstellt werden.
Ihr Kind ist alt genug, um selbst aufzuräumen. Aber es macht es nicht von alleine. Klar, wer verbringt seine Zeit schon gerne mit Aufräumen.
Mögliche Ursachen
Um herauszufinden, warum Kinder nicht gerne aufräumen, brauchen wir nur bei uns selbst zu suchen. Vielleicht kommen Ihnen die folgenden Sätze bekannt vor:
- Ich habe keine Lust.
- Ich habe andere Sachen zu tun und ja, dazu gehört auch, mich auszuruhen.
- Ich habe diese Unordnung nicht gemacht.
- Ich weiß gar nicht so richtig, wohin mit dem ganzen Spielzeug.
- Das ist viel zu viel. Das ist mir alles zu viel.
- Das lohnt sich nicht – sieht eh bald wieder aus wie ein Schlachtfeld.
Und? Haben Sie den einen oder anderen Satz haben Sie wahrscheinlich auch von Ihrem Kind schon gehört? Ich auch. Regelmäßig sogar.
Mögliche Lösungen
Schauen wir uns an, was Sie sich diese Situation verändern lässt. Zuerst widmen wir uns dem Aufräumen und dann dem Aussortieren:
Kindern das Aufräumen beibringen:
- Vorbild zeigt die beste Wirkung: Machen Sie Ihrem Kind vor, wie Aufräumen seiner Spielsachen geht, in dem Sie dies ein paar Mal in seiner Anwesenheit machen. Sortieren Sie Gleiches zu Gleichem; weisen Sie beiläufig darauf hin, wo was hingehört.
- Fragen Sie beim nächsten Aufräumen, ob das Kind sich die Stellen gemerkt hat und bitten Sie es, Ihnen Räumen zu helfen. Lassen Sie sich helfen.
- Machen Sie, wenn das kein Selbstläufer ist, ein Spiel draus: »Ich räume was weg, du räumst was weg.«
- Startet mit den großen Sachen, denn dann sieht man sofort einen großen Unterschied zu vorher und ist motiviert, weiterzumachen.
- Für besondere Kategorien gibt es ein besonders »Zuhause«: Alle Autos wohnen in der Garage, Puppen und Kuscheltiere im Kinderbett oder zusammengekuschelt in einer Kiste oder im Puppenbett.
- Bestaunen Sie wieder gemeinsam ihren Erfolg und lassen Sie den Eindruck von Ordnung auf sich wirken. Ein ganz wichtiger Schritt im Ordnungscoaching. Das ist der (neue) Status quo.
- Stellen Sie mit Ihrem Kind diese Ordnung in den nächsten Tagen immer wieder her, egal wie viel in der Zwischenzeit durcheinandergeraten ist. Das soll Ihrem Kind vermitteln, wie schnell Ordnung geht, wenn man dranbleibt.
Kindern beibringen, selbst auszusortieren
- Erklären Sie Ihrem Kind, was jetzt passiert und welchen Sinn das hat: Es sind einige Dinge hinzugekommen; es ist nicht mehr übersichtlich. Sie wollen gemeinsam aufräumen und dabei überlegen, was vielleicht nicht mehr gebraucht wird – als Option, nicht als Muss!
- Sortieren Sie gemeinsam als erstes nach Kategorien.
- Zeigen Sie Ihrem Kind, wie viel Platz für eine Kategorie Spielzeug zur Verfügung steht. Alles was dort hineinpasst, darf bleiben.
- Wenn von einer Kategorie zu viel da ist: Geben Sie Ihrem Kind die Wahl, sich zwischen zwei Teilen zu entscheiden.
- Fangen Sie mit einfachen Kategorien an, also Dingen, an denen Ihr Kind nicht sonderlich zu hängen scheint oder wovon sehr viel vorhanden ist. Bei einem Kind sind das vielleicht 5 ähnliche Feuerwehrautos. Drei davon darf es behalten.
- Es geht hier nicht um Zahlen, sondern darum, Loslassen zu lernen. Kann sich das Kind also nur von einem Feuerwehrauto trennen, dann ist das okay. Selbst wenn es sich von gar nichts trennen will. Sie stoßen mit dieser Aktion im Kind etwas an, was möglicherweise Zeit braucht. Vielleicht bringt es Ihnen in ein paar Tagen ein Spielezeug, das gehen darf.
- Was passiert mit dem aussortierten Spielzeug? Soll vielleicht ein Nachbarskind etwas davon bekommen oder die Kindergartengruppe? Fragen Sie Ihr Kind.
- Schauen Sie sich mit Ihrem Kind das Ergebnis genau an und drücken Sie Ihre Freude über die Erfolge Ihres Kindes aus. Das ist ein ganz wichtiger Konsolidierungsprozess, der den Grundstein für weitere derartige Aktionen legt.
- Wiederholen Sie den Sortierprozess regelmäßig, um weiter zu üben und das Kind an den Prozess zu gewöhnen.
Ich staune immer wieder, mit wie viel Leichtigkeit meine Kinder entscheiden. Wenn ich merke, dass sie in Fahrt kommen, bringe ich Spielsachen, die bleiben sollten, erneut zur Entscheidung, um zu testen, ob sie diese nicht doch gehen lassen können.
Ich will noch mal betonen, dass es hier um eine Fähigkeit geht, die jeden Menschen ein ganzes Leben begleiten wird. Der Fokus liegt für mich hier also auf dem Heranführen und darauf, gute Erfahrungen mit dem Aussortieren zu machen, damit es beim nächsten Mal ein kleines bisschen leichter geht.
Ordnungssysteme
Vielleicht brauchen Sie auch noch andere oder bessere Aufbewahrungsmöglichkeiten. Da Ihr Kind jetzt seine Sachen selbst aufräumt, muss das Ordnungssystem auch Ihrem Kind dienen. Am besten eigenen sich da einfach Regalschränke, Kisten und Boxen, die in die Fächer passen. Dann brauchen diese auch keine Deckel. Kinder lieben es Farbenfroh und am besten mit Piktogrammen versehen oder sie sind durchsichtig.
Kisten sind hervorragend für Spielsachen: einfach alles sortiert hineinschmeißen. Da geht schnell und wird Kindern jeden Alters gerecht. Achten Sie auf Qualität und Stabilität. Die Kisten sollten am besten für Kinder designt worden sein. Kisten können auch als Begrenzung dienen: Was zum Beispiel an Bahnschienen nicht in diese Kiste passt, muss gehen. Wenn sie voll ist bleibt dem Kind ausreichend, um damit vielseitig zu spielen.
Es kann gut sein, dass Sie ein bisschen probieren müssen, was Ihr Kind gerne annimmt, was funktioniert und was möglicherweise für Ihr Kind und sein Spielzeug nicht funktioniert.
Ordnungshelfer
Beim Aufräumen helfen meine Kinder sich immer wieder mit Spielzeugautos: Bulldozer, Abschleppwagen und Gabelstabeler haben richtig gut zu tun.
Den Kleinkram wie Lego™ schieben und schaufeln meine Kinder am liebsten mit einem Kehrblech zusammen. Es ist sinnvoll, dafür ein stabiles nur für Spielsachen anzuschaffen. Sie müssen nur darauf achten, das da nichts Scharfkantiges dran ist, was Fußboden oder Möbel zerkratzen könnte.
Meine Kinder lieben ebenfalls Grillzange und Pfannenwender oder Kellen zum Aufräumen.
Dauerhafte Ordnung
Es gibt wohl kein Kinderzimmer aus diesem Planten, in dem nicht die Ordnung regelmäßig wiederhergestellt werden muss. Unordnung ist okay. Meine Kinder sollen sich im Spiel frei und kreativ entfalten können. Aber so wie ich gelernt habe, dass jedes Projekt erst dann abgeschlossen ist, wenn alle Utensilien wieder an ihrem Platz sind, sollen auch meine Kinder lernen, das zum Spielen Ordnung machen einfach mit dazugehört.
Ich beobachte, dass es Zeiten gibt, in denen meine Kinder für Aufräumen absolut nicht empfänglich sind: wenn Sie versunken sind in ihr Spiel, wenn sie überdreht sind oder stärkere Bedürfnisse wie Hunger haben. Andererseits sind sie (oft) schnell dabei, ihr Spielzeug wegzuräumen, wenn etwas Besseres auf sie wartet, wie Kinderserie gucken, eine Leckerei oder Besuch. Selten nur sind sie intrinsisch motiviert auszuräumen. Aber das kenne ich selbst von mir nur zu gut.
Wir haben bei uns eine Regel: »Erst aufräumen, dann kann ein neues Spiel oder eine gemeinsame Aktivität starten.« Das hilft, regelmäßiges Aufräumen sicherzustellen, funktioniert aber auch nicht immer. Weil sich die Spielecke der Kinder in unserem Wohnzimmer befindet, passiert es immer mal wieder, dass ich mir abends drei Minuten Zeit nehme und diese Ecke aufräume. Länger dauert es nicht und es ist auch für mich ein sehr befriedigendes Gefühl, so schnell wieder Ordnung herstellen zu können. Ich liebe meinen Beruf.
Das Wichtigste zusammengefasst
Aufräumen will gelernt sein, Aussortieren und Loslassen um so mehr. Kindern diese Fähigkeiten beizubringen lohnt sich. Und es braucht dazu von Ihnen auch nicht viel: ein bisschen Zeit immer mal wieder, Geduld und Einfühlungsvermögen.
Am Anfang steht immer das Sortieren nach Kategorien. Damit verschafft man sich eine Übersicht und kann damit leicht aus- und dann einsortieren. Genaue Anleitungen finden Sie oben.
Probieren Sie es aus und schreiben Sie mir, wie es gelaufen ist. Was hat Ihnen geholfen und wo haben Sie vielleicht noch Fragen?
Chatten Sie mit mir über Signal, Threema oder SMS unter 0176 6344 7977 oder schicken Sie mir eine E-Mail: hallo@beatekortung.de.
Ich freue mich auf Ihre Nachricht.
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Teil 1 dieser Serie: Wie aus Chaos im Kinderzimmer eine neue Grundordnung entstehen kann
und Teil 3: Die Flut an Spielsachen meistern (mit Schwerpunkt-Thema Geschenke).
Kind spielt im Kinderzimmer: https://unsplash.com/de/@paige_cody
Spielzeug visuell geordnet: https://unsplash.com/de/@vbcreative
