GRUNDLAGEN
Routinen für einen leichteren Alltag
Der Tag ist so voll mit Entscheidungen und gleichzeitig gibt es viel zu tun. Da kommt dieser unscheinbare Alltagshelfer gerade richtig. Was es braucht, um Routinen zu etablieren und bei Bedarf anzupassen und was ich sonst noch dazu gelernt habe, teile ich gerne hier.
Lesezeit: 6 min.
Intro
Darum geht es
Eine Routine ist – kurz gesagt – eine festgelegte Reihenfolge mehrerer Handlungen zu einem bestimmten Zeitpunkt bzw. in welchem Rhythmus (täglich, mittwochs, am 3. Freitag im Monat).
Eine Routine kann zur Gewohnheit werden. Das wäre sogar sehr wünschenswert, denn bei einer Gewohnheit wird eine Handlung weitestgehend automatisch und oft auch unbewusst durchgeführt. Meist gibt es einen Auslöser. Das kann so etwas Simples wie Händewaschen nach dem Essen sein.
Zu diesem Thema gäbe es wirklich sehr viel zu sagen. Daher hier gleich eine Buchempfehlung: James Clear „Die 1 % Methode“. Sein Credo: Minimale Veränderungen entfalten über längere Zeit maximale Wirkung. Allerdings nur, das sei hier noch erwähnt, wenn man dranbleibt.
Und dann sollten wir noch kurz über Rituale sprechen. Rituale sind im Grunde Gewohnheiten gepaart mit besonderer Achtsamkeit. Manche zelebrieren zum Beispiel ihre abendliche Gesichtsreinigung wie ein Ritual. Dabei wird dann eben nicht nur die Haut von den Belastungen des Tages gereinigt, sondern auch ein Stück weit Seele, Nerven und Geist.
Ich erwähne das, weil ich bei mir immer mal wieder wahrnehme, wie ein Aufräum- oder Sauber-mach-Prozess, wenn ich achtsam dabei bin, mir auch persönlich guttut.
Bevor wir nun endlich ins Thema Routinen tiefer einsteigen: Grüße an alle, die meinen Vertag für pme familienservice gesehen haben. Hiermit löse ich mein Versprechen ein!
Warum sind Routinen hilfreich?
Routinen haben einen großen Vorteil: Es wird, im besten Fall, nur einmal entschieden, was dann viele Male getan wird. Ich muss also nicht jedes Mal neu überlegen, abwägen und entscheiden. Wir können pro Tag nämlich nur eine gewisse Anzahl an Entscheidungen treffen, bevor wir müde werden. Das hat wahrscheinlich jeder schon mal bei sich selbst beobachten können: Irgendwann geht nichts mehr. Der Fachbegriff dafür ist (englisch) decision fatique.
Routinen machen zudem Dinge vorhersehbar, strukturieren den Tag. Wir sind uns sicher, dass bestimmte Dinge passieren (durch uns oder andere) und das lässt uns entspannen. Routinen vermitteln mir außerdem unterbewusst das Gefühl: Du hast Dein Leben im Griff. Wir wissen durchaus, dass wir nicht alles in der Hand haben, aber wie es auf meinem Esstisch aussieht, das schon. Machbarkeit und Kontinuität sind hier die kleinen, praktischen Hebel mit großer Wirkung.
Wie anfangen?
klein! Wirklich übersichtlich. Nicht gleich das ganze Programm. Und nur auf sich schauen, nicht mit anderen vergleichen.
Diese Fragen können helfen:
- Was soll routiniert erfolgen und warum? Eine Tätigkeit mir aus mir selbst heraus motiviert sein, sonst halte ich sie nicht durch.
- Wie lange dauert diese bzw. jede einzelne Tätigkeit meiner gewünschten Routine? Gegebenenfalls einfach mal testen.
- Welche Reihenfolge ist sinnvoll? Auch das lässt sich gut testen.
Und speziell für Anfänger, aber auch für uns alle sehr aufschlussreich:
- Was schaffe ich auch an einem schlechten Tag!?
Vorbereitungen
Wenn Sie sich die Fragen oben beantwortet haben, stecken Sie schon mitteldrin. Eine gründliche Vorbereitung trägt wesentlich zum Gelingen bei. Also gehen wir es an:
Prozess auf äußere Hindernisse scannen
Was brauche ich, um eine Tätigkeit durchzuführen? Sind diese Dinge schnell, in unter 20 Sekunden, zusammenzutragen? Das ist die Zeit, die wir erwiesenermaßen bereit sind an Vorbereitungen zu investieren. Stichwort Aktivierungsenergie.
Prozess auf innere Hindernisse scannen
Émile Coué sagte sinngemäß: Wenn die Vorstellungskraft und die Willenskraft im Gegensatz zueinanderstehen, gewinnt die Vorstellungskraft – immer! Ich kann also wollen, so viel ich will; kann ich es mir nicht vorstellen oder sehe sogar das Gegenteil vor meinem inneren Auge, wird mein Wollen außer Kraft gesetzt. Also: Welche Gedanken, Bilder, Gefühle ploppen auf, wenn ich an mein Vorhaben denke?
Diese Idee ist eng mit Identität verknüpft, also Glaubenssätze über mich selbst: „Ich war schon immer unordentlich.“ oder „Ich habe das nie gelernt.“. Hier müsste es mir gelingen, zumindest ein Fragezeichen hinter meine Glaubenssätze zu setzen, damit Routinen, die Ordnung in meinen Haushalt bringen sollen, überhaupt eine Chance kriegen: „Ich will doch mal sehen, ob ich Ordnung nicht doch noch lernen kann“. Manche Themen lösen sich auch im Gehen.
Auslöser definieren
Was kann mir helfen, meine Routine zum gewünschten Zeitpunkt auch wirklich durchzuführen? Der Autor Shawn Achor erzählt in seinem Buch „The Happiness Advantage“ davon, dass er sich vorgenommen hatte, jeden Morgen nach dem Aufstehen joggen zu gehen. Um sicherzustellen, dass er das auch wirklich durchzuzieht, hat er eine Weile in seinem Jogging-Outfit geschlafen; Laufschuhe standen vorm Bett. Ich musste so lachen. Aber klar. Unter diesen Umständen ist die Wahrscheinlichkeit seinem Plan zu folgen, sehr groß.
Und was ist mit so was wie Ordnung halten? Mit dem Staubsauger im Arm einschlafen? Besser nicht. Aber Wenn-dann-Vorhaben funktionieren gut. Wenn ich morgens angezogen bin, mache ich gleich im Anschluss mein Bett und kümmere mich um die Kleidung von gestern. Es kann sein, dass der Auslösereiz sich erst etablieren musst, wenn ich lange Zeit nach dem Anziehen etwas anderes getan habe. Dann kann am Anfang ein Post-it am Kleiderschrank helfen oder ich schiebe mir den Stuhl mit meiner Kleidung von gestern in den Weg. Da ist dem Einfallsreichtum keine Grenzen gesetzt.
Weitere Beispiele aus meinem Alltag
- Bis der Wasserkocher fertig ist, habe ich die Spülmaschine aus- oder alles herumstehende schmutzige Geschirr eingeräumt.
- Der Klassiker mit kleinen Kindern am Abend: Bad, Buch, Bett. Routinen geben nicht nur Kindern eine wichtige Orientierung im Alltag. Es macht die Handlungen auch vorhersehbar und damit sicher. Ja, auch wenn Zähneputzen selbst nach Jahren nicht freiwillig passiert.
- Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, dass ich zu Hause, wenn ich von A nach B gehe, Dinge aus A mitnehme, die nach B gehören oder nach C, dann eben mit einem kleinen Umweg. Damit stelle ich quasi nebenbei einen guten Teil der Ordnung wieder her.
- Ich nehme mir 10 Minuten. Die Zahl ist völlig willkürlich und fühlt sich gleichzeitig (für mich) so machbar an. Also überlege ich kurz, was an Ordnungsthemen oben aufliegt, stelle ich mir den Kurzzeitwecker und los geht’s. Und ich bin immer wieder erstaunt, was ich in doch so kurzer Zeit alles schaffe. Sehr wohltuend, aber eben vor allem eines: machbar.
Das Wichtigste zusammengefasst
Routinen sind echte Alltags-Erleichterer, wenn man sich im Vorfeld gut überlegt hat, was man als regelmäßige Tätigkeit etablieren möchte und warum und wenn man alle Hindernisse im Inneren und im Äußeren aus dem Weg geräumt. Dann wird sich zeigen, was funktioniert und was nicht. Routinen müssen zum Leben passen, nur so können sie einen wirklichen Unterschied machen. Und wenn nicht, dann werden sie eben angepasst. Wichtig: Aller Anfang braucht diese Extraportion Aufmerksamkeit und Kraft. Mit der Zeit wird es leichter und leichter.
Ich hoffe, dass hier ein paar spannende Ideen und hilfreiche Tipps dabei waren, die Lust machen, sie gleich auszuprobieren. Ich freue mich auf jeden Fall über Ihre Rückmeldungen. Und wenn Sie mit Ihrem Ordnungsprojekt nicht weiterkommen, helfe ich gerne weiter. Meine Kontaktdaten finden Sie unten.
Probieren Sie es aus und schreiben Sie mir, wie es gelaufen ist.
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Bildnachweise
Frau hockt vor Spülmaschine: https://unsplash.com/de/@blinky264
Wäscheständer: https://unsplash.com/de/@attilandscape
